Schritte zu einer genaueren Uhr
Je höher die gewünschte Genauigkeit, desto wichtiger werden kurze
Synchronisationsintervalle, geringe Latenzen, spezialisierte Hardware
und eine kontrollierte Infrastruktur.
≈ 0,1 s
Regelmässig synchronisieren
Für ungefähr eine Zehntelsekunde Genauigkeit genügt meist ein für dieses Ziel korrekt konfigurierter Rechner. Die Uhr sollte häufig, beispielsweise alle zehn Minuten, mit einer zuverlässigen Quelle synchronisiert werden. Bei einer brauchbaren Internetverbindung ist dafür keine spezielle Hardware nötig.
Eine Zeitanzeige im Browser (die sich unabhängig von der Rechneruhr über das Internet synchronisiert) kann unter guten Bedingungen eine Abweichung von unter 1/10s erreichen. Die wichtigsten Gründe weshalb eine deutliche höhere Genauigkeit technisch kaum möglich ist (ohne Informationen welche im Browser nicht zur Verfügung stehen):
Selbst bei extrem guter Internetanbindung ist über HTTPS (oder WSS wie von sehr wenigen Apps genutzt) eine Abfrage der Zeitquelle mit zuverlässig unter 1/30s Unsicherheit der Offset-Schätzung nur schwer erreichbar – z.B. die diesbezüglich sehr gut gebaute PTB-App kann dies regional erreichen.
Vom Moment in dem die App die Zeit aktualisieren will bis dies tatsächlich am Monitor erscheint vergeht evenfalls Zeit. Die App kann das nur teilweise abschätzen da die zusätzliche Verzögerung je nach Browser, Grafikausgabe und Monitor von etwa 1/100 Sekunde bei sehr reaktionsschnellen Gaming-Setups bis deutlich über 1/10 Sekunde reichen kann.
≈ 0,001 s
Netzwerk und Latenz optimieren
Eine Millisekunde liegt ungefähr im Grenzbereich dessen, was
ohne Spezialhardware erreichbar ist. Die Synchronisierung muss deutlich häufiger erfolgen. Zudem müssen sowohl das lokale Netzwerk als auch die Internetanbindung extrem geringe und möglichst konstante Latenzen aufweisen um diesen Wert überhaupt erreichen zu können.
Stabile Abweichungen unter 1ms sind dabei durchaus erreichbar, aber über das Internet ist eine Validierung dieser Zeit auf unter 10ms bereits ein extrem guter Wert der nur in Regionen mit top-infrastruktur möglich ist.
Dies ist jedoch auf einem normalen Bildschirm gar nicht mehr darstellbar – Handelsübliche Monitore aktualisieren alle 7-17ms das Bild.
≈ 0,000001 s
Präzisionsoszillator und Funksignal
Die Synchronisierung kann über einen öffentlichen Funkdienst erfolgen. Während früher Langwellensender verbreitet waren, lässt sich heute etwa GNSS nutzen, das als Nebenprodukt eine sehr genaue Zeitbasis überträgt. Wer eine extrem hohe Zuverlässigkeit braucht wählt anstelle von GPS eine dedizierte Kabelverbindung zum metrologischen Institut des Vertrauens.
Natürlich muss dafür auch die Uhr selber eine gute Ganggenauigkeit aufweisen - ein temperaturstabilisierter Quarz ist dazu ein vergleichsweise einfacher Ansatz.
≈ 0,000000001 s
Metrologische Infrastruktur
Im Nanosekundenbereich wird bereits das Budget zu einer zentralen
Herausforderung. Das CERN setzt beispielsweise auf einen Verbund
hochgenauer Cäsiumuhren, eine dedizierte und temperaturüberwachte
Glasfaserverbindung zu METAS in Bern sowie hochspezialisiertes
Personal für Betrieb, Überwachung und Kalibrierung.